Highvoltage X-RAY
Drei Metallteile, ein Schwarzweiss-Negativ-Röntgenfilm, ein nicht ganz ungefährliches Hochfrequenz-Ozontherapiegerät aus den 1920er-Jahren, eine Dunkelkammer: Das sind die Zutaten für dieses Werk von Marc Simon Frei.
Der Altdorfer nennt sich augenzwinkernd «Lightning-Designer» – auf Deutsch vielleicht am treffendsten «Blitz-Zauberer». Seit seiner Kindheit begleitet ihn die Faszination für Elektrizität und das unsichtbare Spiel der Ströme. Über die Jahre entwickelte er eine Vielzahl an experimentellen Verfahren, um diese Energie sichtbar zu machen: manchmal als pure Fotografie, manchmal als Spuren, die sich in Material, Film oder Papier eingebrannt haben.
In dieser Serie greift er auf Röntgenfilm zurück – ein Medium, das einst für medizinische Diagnosen gedacht war, hier aber zum künstlerischen Experiment wird. Die Kombination aus historischem Ozontherapiegerät, metallischen Objekten und Dunkelkammertechnik schafft Bilder, die zwischen Wissenschaft und Poesie schweben. Linien und Formen, die eigentlich nur im elektrischen Feld existieren, manifestieren sich als Strukturen, die fast wie Fragmente einer verborgenen Natur wirken.
Frei bezeichnet sich selbst eher als Tüftler oder «Maker» denn als Künstler. Doch gerade diese Haltung – die Lust am Experimentieren, das Vertrauen ins Unvorhersehbare – verleiht seinen Arbeiten eine Authentizität, die über das rein Technische hinausgeht. Es ist eine Kunst, die aus Neugier geboren ist und die den Betrachter einlädt, Elektrizität nicht nur als physikalisches Phänomen, sondern auch als ästhetisches Erlebnis zu begreifen.
In den sozialen Medien stießen diese Werke sofort auf großes Interesse, besonders in Japan, wo die Verbindung von Technik, Materialästhetik und Reduktion auf Schwarzweiß eine lange Tradition hat. Dort sah man in seinen Bildern etwas Vertrautes und zugleich Fremdes: eine moderne Variation von Kalligrafie und Druckgrafik, entstanden aus Strom und Chemie.
So wird Elektrizität in Frei’s Arbeiten nicht nur sichtbar gemacht, sondern fast körperlich erfahrbar – als Spur, als Abdruck, als geheimnisvolles Leuchten in der Dunkelheit.
























